Eigene Werke
Veröffentlichungen
Sachbuch, 2023
Das Buch eines freien Denkers für den mündigen Bürger, der gelernt hat, sich seines Verstandes im Sinne von Kant zu bedienen, und weiß, dass die parlamentarische Demokratie des permanenten Schutzes bedarf, und der über ein Bewusstsein verfügt, das ihn stets befähigt, jegliche Ideologie, auch jene, die sich, medial gesteuert, allzu oft mit einem grün manipulierten Schafsfell umgibt, als solche zu erkennen! Allerdings sollte nach dem Studium dieses Buches jedem klarwerden, über welches simple Menschenbild die Chefideologinnen um Frau Thunberg verfügen, denn sie wollen [...]
Roman, 2020
Am Berliner Hauptbahnhof besteigt der Pensionär Paul Ruhmacher einen Zug der deutschen Bahn, um sein in der Nähe von Castrop-Rauxel befindliches Altenheim zu erreichen. Auf dem Weg zum Kompetenzzentrum für innovative Altenpflege, der nicht ohne Verzögerungen verläuft, erinnert sich Paul an so manche Station seines Lebens. So vor allem an seine Kindheit, als er erstmals von der Judenverfolgung erfuhr, während ihn seine Eltern, Verwandte, Lehrer und Medien der Nachkriegsgesellschaft bis in die sechziger Jahre [...]
Gedichte
Zeile für Zeile
dicht bei dicht
Ob es sich reimt
oder auch nicht
sagen Worte
noch in den Räumen
dazwischen
und im Ganzen
unendlich mehr
im Gedicht
als die Zahl
ihrer Wörter
verspricht
Ernst Jantzen
Gedichte über den Frieden
Behütete Vielfalt
Wir sollten uns hüten
vor falschen Propheten
die darum ringen
alles unter einen Hut zu bringen
Oder sich wünschen Einheitshüte
ohne zu sehen
was daraus schon wuchs
und verblühte
Jeder sollte tragen
seinen Hut
das schont den Kopf
und tut der Seele gut
Selbst wenn man seinen Kopf nicht hat
am Hut
so kann man
diesen doch symbolisch ziehen
das tut dem dann gut
vor dem man´s tut
Frieden und Krieg
Als lange Zeit
Frieden gewesen war
verblasste die Erinnerung
an den Krieg
So glaubten die Menschen
zu Beginn des Krieges
an ein schnelles Ende
und den Sieg
Selbst als sich hinzog
der Krieg
hoffte man noch immer
auf den Sieg
von Toten war die Rede
nur in weiter Ferne
Als dann aber
der Tod kam näher
und es nur noch
ums Überleben ging
wünschten sich alle
nichts mehr als den Frieden
Als lange Zeit
Frieden gewesen war
verblasste die Erinnerung
an den Krieg
Friedliche Menschen
Traumhafte Bilder
Farben
von Menschen
offen
wahrhaftig
über Grenzen
erkennen
achten
das Leben
den Glauben
der anderen
jede Farbe
ein Geschenk
des Himmels
Gemeinsamkeiten entdecken
neue Freundschaften wecken
Farben neu mischen
alte Kontraste verwischen
farbige Bilder
friedliche Menschen
Gleichgewicht
Um`s Gleichgewicht
nicht zu verlieren
beginnt der Mensch
zu gehen auf allen Vieren
Erst später lernt er
den aufrechten Gang
Man stell´ sich vor
wie`s anders wär`:
Aufrechte Gesinnung
erst einmal!
Die Physis
wär´ dann ganz egal
und mehr die Rede
vom inneren Werte
statt von all dem
was man bisher so lehrte
Es könnte
Frieden geben
auf Erden
Aber würde das nicht
zu langweilig werden?
Gott und Gewalt
Auch wenn sein Leben
in Frankreich einst recht begnadet
so hat dem Allmächtigen
letztlich keine Revolution geschadet
Es ist eher die Evolution
die ihm Sorge bereitet
und seine Dominanz
zunehmend bestreitet
Auch der moderne Krieg
lässt vermissen klare Fronten
bei denen sich sonst die Sieger
seiner Gunst gewiss sein konnten
Während ein Gott früher alles befahl
wendet sich der Mensch
nun eher
an Götter seiner Wahl
Von der Geburt
bis in den Tod
herrscht hier
ein reichlich´ Angebot
Doch sollten wir beten
dass man uns verschone
vor einem Gott
der Gewalt noch belohne
Massenbewegung
Ein Mensch bewegt sich
er hat ein Ziel
vor Augen
viele Menschen bewegen sich
mit einem Ziel
Massenbewegung
jeder verwehrt
dem anderen den weiten Blick
im Sog von Menschenscharen
zählt der Einzelne nicht viel
es gibt kein Zurück
der Weg wird zum Ziel
nur ein freier Gedanke
vielleicht
mag noch daran erinnern
warum
sie einst
losgezogen waren
Open End
Gedanken fordern Gedenken
Gedenken braucht Gedanken
Menschen erinnern sich
andere
sind betroffen
Gedanken
sind frei
Hoffnung
Solidarität
gegen den Trend
das Vergessen
gegen rechte Gesinnung
open end
Rücksicht
In der Vergangenheit
war er immer
nach vorn orientiert
dynamisch
pragmatisch
der Zukunft zugewandt
Als eines Tages
die Vergangenheit vor ihm stand
drehte er sich um
und lief weiter nach vorn
doch schon bald holte
ihn die Vergangenheit ein
Als er ihr gegenüberstand
sah er zum ersten Mal
die Menschenscharen
die er überholt hatte
und am Wegesrand
zurückgeblieben waren
Was hatte ihm vorher
die Sicht
genommen?
Schienen
Auf Schienen
fuhr eine Bahn
in Deutschland
von Nürnberg nach Fürth
das erste Mal
Über hundert Jahre
reisten Menschen
auf Schienen
zum Ort ihrer Wahl
überbrückten Barrieren
und kamen sich näher
Auf Schienen
reisten einst Menschen
nach Osten
das letzte Mal
Sie trugen Kinder
und Koffer
Auf einer Rampe
wurde das Warten zur Qual
Die Sonne schien für sie
nur noch ein einziges Mal
Wer nahm ihnen
die Kinder
die Koffer
die Kleider
das Leben?
An der bloßen Oberfläche
schienen die Täter
Menschen
gewesen zu sein
Verantwortung
Will ein Mensch sich nicht verbiegen
oder verraten
so kann er leicht
zwischen Stühle geraten
Ein Karrierist hingegen
wird sich in Richtung
eines Stuhls bewegen
ohne dass ihn stört
worum es geht
und wem der Stuhl gehört
So wird dann
wenn es schief geht
allzu gern vergessen
auf welchem Stuhl man hat gesessen
Doch wer erinnert sich
an wen
wenn die Person
ist schizophren?
Wert eines Menschen
Wer baute
die zerstörten
Moscheen, Synagogen,
Kirchen, Hütten
und Häuser?
Menschen
wurden geboren
werden geborgen
Sorgen
Bald schon zerstreut
Asche und Ängste
Von Menschen
Hoffnung
Blumen gestreut
und Reden gehalten
über Menschen
Zukunft
Keine Idee
hat den Wert eines Menschen
Werte und Freiheit
Freiheit ohne Werte
ist skrupellos
Werte ohne Freiheit
können nur
Ideen
von Unmenschen sein
Nur die Erkenntnis
dass beide zusammengehören
hindert uns daran
humane Werte
die einst nicht
vom Himmel fielen
als selbstverständlich
zu betrachten
Und lässt uns
allein den Sinn
dieser stets unvollkommen
Ordnung begreifen
die von und vor
Menschen
permanent geschützt
werden muss
Märchenhafter Frieden
Salima konnte sich nicht an den Frieden erinnern, denn als der Krieg ausbrach und die ersten Bomben fielen, die ihre Eltern und ihren Großvater getötet hatten, war sie erst zwei Jahre alt gewesen.
Und doch liebte sie den Frieden so sehr und lauschte Großmutters Erzählungen über die Zeit vor Ausbruch des Krieges so aufmerksam und voller Hingabe wie andere Kinder ihrem allerschönsten Lieblingsmärchen, das sie immer und immer wieder hören möchten. Und es musste sich für sie etwa so angehört haben, als ob jemand aus dem Paradies berichtet hätte.
Großmutter vermied es zunächst, Salimas Eltern oder den Großvater zu erwähnen. Sie erzählte vielmehr von dem kleinen Bauernhof mit den vielen verschiedenen Tieren und davon, wie glücklich sie alle miteinander waren.
Jedes der Tiere hatte einen Namen und sie kamen auf einen zu, und freuten sich, wenn man sie rief und sie ließen sich gerne streicheln. Großmutter erinnerte sich an ihr Lieblingstier, ein kleines Schäflein, das sie oft auf den Arm genommen hatte so wie jetzt Salima.
Am Abend hätten sie dann noch häufig draußen gesessen mit Verwandten, Freunden und Nachbarn und alle wären beinah immer guter Stimmung gewesen, bis die ersten Bomben gefallen seien. Und auch jetzt mussten sie immer wieder Angst haben, dass die Bomben sie treffen könnten, aber Großmutter beruhigte sie dann und drückte Salima ganz fest an sich, sodass diese sich einigermaßen sicher wähnte, aber das immer schneller schlagende Herz, an das die Großmutter sie drückte, ließ sie etwas mitfühlen, von dem sie noch nicht wusste, was es sein könnte.
Erst Jahre später wurde Salima klar, dass ihr Leben damals sehr oft in Gefahr gewesen war.
Alle Tiere, so erzählte Großmutter schon bald, seien vor den Bomben schnell weggelaufen und lebten nun mit anderen Tieren, den Eltern und dem Großvater in weiter Ferne friedlich und glücklich zusammen. Das gefiel Salima sehr und auch sie wäre nun gerne weggelaufen, aber das ging ja nicht, weil Großmutter nur noch sehr langsam gehen konnte – manchmal ging sie sogar am Stock...
Als Salima 5 Jahre alt geworden war, brachte man sie mit ihrer Großmutter und einer Vielzahl anderer Flüchtlinge in ein Lager nahe der Grenze. Salima hatte oft große Angst vor den vielen Menschen und beinah immer Hunger und kalt war es, aber wenn ihr die Großmutter dann wieder vom Frieden erzählte, wurde ihr ganz warm ums Herz und meistens schlief sie danach glücklich ein.
Nach einigen Monaten der Ungewissheit und Angst gelangten Salima und ihre Großmutter dann schließlich in ein fremdes Land, in dem keine Bomben fielen und Frieden herrschte, wenn auch nicht ganz so, wie Salima es immer wieder von ihrer Großmutter gehört und wie sie es sich vorgestellt hatte. Hier ging alles viel schneller, man hatte es auch immer eilig und die Menschen fanden nur wenig Zeit füreinander. So lernte Salima dann auch ziemlich schnell die fremde Sprache und in dem neuen Land Menschen kennen, die den Frieden ganz normal und selbstverständlich fanden und keine einzige Geschichte über ihn wussten! Das konnte Salima gar nicht begreifen und es war auch unbegreiflich.
Bauernhöfe gab es dort auch, aber die hatten meistens entweder nur Kühe oder Hühner oder Schweine und die trugen alle keine Namen und gestreichelt wurden sie auch nicht.
Nach einigen Jahren war Großmutter so alt geworden, dass sie sich kaum noch an etwas erinnerte, und sie vergaß beinah alles, was vorher war und was man vergessen konnte, aber den Frieden in ihrer Heimat vor Beginn des Krieges den vergaß sie nie!
Als sie dann eines Tages in hohem Alter gestorben war, hieß es, sie sei in Frieden eingeschlafen.
Salima begriff, dass die Liebe zum Frieden auch immer etwas mit der Kindheit eines Menschen zu tun hat, und noch am Totenbett hatte sie ihrer Großmutter versprochen, niemals müde zu werden, ihren Kindern, Enkeln, Urenkeln und allen, die hören konnten, immer wieder vom Frieden zu erzählen...
Liebesgedichte
Der Sex und die Liebe
Sie sind ein reizendes Pärchen
Begegnen sie sich
ist´s wie im Märchen
Doch brauchen sie einander nich`
Beide wirken
auch an und für sich
Bisweilen stört ihn sogar ihr Beisein
und auch sie möchte oft lieber allein sein
Ihn erlebt man in kurzen Phasen
Er verschwindet im Auf und Nieder
und kommt dann
bald schon wieder
Sinnlos ist´s, ihr nachzulaufen
Ihn dagegen kann man auch billig kaufen
Wenn er im Alter schon verblasst
so lebt sie weiter fern vom Triebe
im Gegensatz zum Sex
die Liebe
Des Menschen Würde
Als sie nach Jahren
des Zusammenseins
die Liebe wieder trennte
vereinte sie das Menschsein doch
Sie gingen friedlich miteinander um
und hatten Achtung immer noch
Allein Besinnung
auf des Menschen Würde
nimmt schon dem Frieden
jede Hürde
und lässt
ob gläubig oder Atheist
den ander´n sein
so wie er ist
Die Liebe
Mit all der zärtlichen Berührung
und ihren Künsten der Verführung
spürt man sie an Seele und Leib
grammatikalisch ist sie ein Weib
Wenn wir sie zu sehr strapazieren
oder auch triebhaft zweckentfremden
kann sie an Wirkung schnell verlieren
und noch dazu im Chaos enden
In Worten ist sie unvergänglich
doch in der Tat oft unzugänglich
und kommt selbst denen still abhanden
die sich einst unwiderstehlich fanden
Am Anfang scheint ihr Horizont unendlich weit
am Ende steht nicht selten Streit
und bleibt dann meist ein Dummer
den plagt dann Liebeskummer
Sie passt in kein gedachtes Schema
ist ein Leben lang das Thema
macht frei so manche Energie
und lässt nicht zu das „Nie“
Hat sie uns mal verlassen
so ist es kaum zu fassen
doch oft wird dann erst klar
wie schön sie war
Erinnerung an die Marie B.
Ich träumte
meinen schönsten Traum
mit Dir
und kann mich doch erinnern kaum
Nicht an die Zeit
nicht an den Raum
nicht an den Kuss
nicht an das eine
War`s Deine Idee
oder meine?
Auch weiß ich nicht
wie´s Wetter war
ob wolkig
oder klar
War´s draußen
oder drinnen?
Nur an Dich
und dass wir beide
war´n von Sinnen
Daran erinnere ich mich
Grenzen der Liebe
Nachdem Sie sich lange schon kannten
und immer öfter neben sich standen
sich stritten in langen Sätzen
auf allerlei Nebenschauplätzen
da wurd` er eines Tages schmerzlich krank
und die einsamen Nächte wurden ihm lang
Als sie dann das Mitleid rührte
und er ihre wärmenden Hände spürte
überkamen ihn bald schon heilende Kräfte
und in ihm flossen neue Lebenssäfte
Sie wollten von vorn beginnen
sich auf alte Zeiten besinnen
nichts hatten sie zu bereuen
und ihr Leben sollte beginnen von Neuem
Doch nicht einen Hauch und auch kein Stück
kam ihre Liebe zurück
Immer noch im Kopf
Auch wenn mein Herz inzwischen stumm
noch einmal will ich schreiben
weiß nicht einmal warum
vielleicht, um in Erinnerung zu bleiben
Doch dann ist endlich Schluss
lang' schon plagt mich ein Überdruss
und sowieso zu Frauen
fehlt jegliches Vertrauen
Ich werd' jetzt nur noch geistig leben
und mich langsam zur Ruhe begeben
d'rum hab' ich gelöscht schon aus Kummer
bei mir ihre Handy-Nummer
Da fällt mir ein
ich Dummer
wie konnt' ich so vergesslich sein
ha' immer noch im Kopf die Nummer
Lange Zeit
Er stand im Zug
und wartete auf sie
doch ihr Zug hatte Verspätung
Kalt war es
aber er wartete lange
weil er schon lange nicht mehr
gewartet hatte
Als sie dann endlich kam
hielten sie sich lange fest
da sie schon lange
niemanden mehr festgehalten hatten
und sehnten sich nach ihrem Zuhause
denn sie waren
lange fort gewesen
Als sie dann später miteinander schliefen
wartete er lange
bis sie kam
Eng umschlungen hielten sie sich
im Arm
und träumten
die Liebe
von der sie so lange
nicht mehr geträumt hatten
Langeweile
Sie hatten bei ihr
nach dem Essen
noch eine Weile am Tisch gesessen
sie wirkte stolz und graziös
der Tisch war eckig
ihn machten die Rundungen nervös
Da schaut er ihr tief in die Augen
und stammelt schon bald ein Gedicht
er hofft ganz insgeheim
dass sie ihn endlich unterbricht
auf dass er sich beeile
statt dessen spricht aus ihr`m Gesicht
die nackte Langeweile
Da sitzen sie nun beide
er schildert seine Nöte
sie hört ihm zu und findet es ganz nett
er denkt an Lyrik
an Hesse, an Goethe
doch auch die Kunst bringt ihn nicht in ihr Bett
Miteinander
Als er ihr Zimmer betrat
war sie schon eingeschlafen
und schnarchte
ganz sacht
Er legte sich zu ihr
ganz leise
und strich über ihr Haar
ganz sanft
Schon bald träumten beide
ihren schönsten Traum
und schnarchten
miteinander
die ganze Nacht
Als am Morgen Radiomusik
ihn weckte
stand er auf
ganz leise
Wie gern hätte er sie wach gemacht
Schirmherrschaft
Über All
gesucht
Stereo-Typ
meganett
gefunden
Internet
Traum-los
zeitlebens
endlos
untrennbar
verbunden
Netzwerk
bald schon hilflos
entbunden
Herz los
sprachlos
verschwunden
Sehnsucht
Er steht auf dem Parkplatz
doch sie ist nicht da
wie gern würde er
sie ausrufen lassen
Nicht etwa aus Liebe
sondern an ihrem Wagen brennt noch Licht
das niemals ausgehen möge
und ihn begleiten soll
Mit zärtlicher List
auf dem Weg zu ihr hin
noch bevor er
vor Sehnsucht gestorben ist
Taube auf dem Dach
Eine Taube auf dem Dach
die setzt ihn matt und schach
und bringt ihn mehr um den Verstand
als all die Spatzen in der Hand
Sie ist die schönste von allen
hält sich fest mit ihren Krallen
und immer wenn er kommt zu ihr nach oben
ist sie g`rad erst weggeflogen
In seinen Träumen aber
ist sie stets zugegen
und begleitet ihn
auf allen Wegen
So lernt er dann und wann
dass weniger auch mehr sein kann
als manches Glück zu zweit
in trauter Einsamkeit
Zu allen Jahreszeiten
Im Frühling werd´ ich mich tief für sie bücken
und ihr den schönsten Blumenstrauß pflücken
Im Sommer werd´ ich ihr `nen Platz freihalten
dort, wo die Strahlen der Sonne die Wärme erhalten
Im Herbst werd´ ich für sie auffangen das Laub
und von den Schuhen ihr wischen den Staub
Im Winter werd´ ich ihr den größten Schneemann bau`n
und wer sie ärgert, den werd´ ich verhau´n
Nur von der Liebe lass´ ich mich leiten
zu allen Jahreszeiten
Weihnachtsgedichte
Fragen zum Weihnachtsfest
Obwohl wir doch so manches wissen
scheint vieles abgegriffen und verschlissen
Kann`s sein, dass Menschen allzu sehr vermissen
den Glauben und den Sinn
sowie die Antwort auf die Frage:
Wo geht die Reise hin?
Doch es ist letztlich nur die Frage
die uns versetzt in eine Lage
gedanklicher Befreiung aus dem Jetzt und Hier
und uns human erscheinen lässt
zu denken so an and`re
als sein`s wir
D´rum wünsch` ich g`rad zur Weihnacht uns die Fragen
die lange schon am Herzen lagen
und uns helfen zu lernen
das Dunkel ein Stück zu entfernen
Doch nur dem Narren stellt sich hier die Frage
ob Jungfrau´ngeburt, ob nicht
Dass ausbleibt, was die Botschaft uns verspricht
und dass Gewalt Gewalt noch überrage
Das ist`s, was ich beklage!
Nicht nur am Weihnachtstage
Gerecht werden
Während er am Heiligabend
auf seinen Teller
blickte
der mit allerlei
Delikatessen gefüllt war
bedauerte er
dass sein Appetit
nicht ausreichen würde
um diesen
Köstlichkeiten
gerecht zu werden
Als er dann
kurz
über den Tellerrand
hinausschaute
sah er
abgemagerte Menschen
die aus der
bloßen Hand
aßen
und davon nicht
einmal
satt wurden
Er bedauerte das sehr
und blickte
wieder
auf seinen Teller
Licht ohne Schatten
Welten standen offen
Sterne leuchteten in die Quere
Menschen waren betroffen
dem Kind und dem Zauber zur Ehre
Doch getrübte Augen
von dem blendenden Lichte
waren bald blind
vor der Botschaft der Geschichte
Je heller der Menschen Licht
desto dunkler die Schatten
die im Dunkeln
sieht man nicht
Lichterketten
und Kerzenschein
beleuchten
die Armut nicht
Nur im Herzen
und von sehr weit
oben
erscheint für alle
ohne Schatten
das göttliche Licht
Weihnachten früher
Wenn ich mich recht zurückbesinne
wohnte Weihnachten früher mehr Zauber inne
lag`s daran, weil man als Kind nahm wahr
oder weil die Zeit ´ne and´re war?
Mag sein, dass wir das Schöne nur behalten
und das, was uns geschenkt
dass wir das and´re schon verdrängt
was sehr zu eigen ist den Alten
Sehnsucht nach Geborgenheit
und einem Leben ohne Streit
wird leicht zum Vater der Gedanken
die um Erinnerungen ranken
Weihnachten bleibt auf die Zukunft gerichtet
solange wir den Schwachen verpflichtet
jeden Menschen friedlich behandeln
und auf den Spuren des Jubilars noch wandeln
Weihnachten im Winter
Wenn Weihnachten schon im Frühling wär`
würd` Knecht Ruprecht vielleicht
rudern über ein Blumenmeer
und ein Maienbaum
könnt` schmücken
den Weihnachtsraum
Veilchen
lägen dem Christkind zu Füßen
und der Lenz
ließe es leise grüßen
Wenn Weihnachten schon im Sommer wär`
käm` Knecht Ruprecht bestimmt über`s Wasser her
der Bart wär` ihm womöglich zu warm
und an Kleidung könnt` er einiges spar`n
Wenn Weihnachten im Herbst schon wär`
würd` der Schlitten aufwirbeln viel Laub umher
Geschenke von Birken, Linden
und all den anderen Bäumen
um Grenzen zwischen Menschen zu überwinden
und vom gold`nen Oktober zu träumen
Doch da es weihnachtet bei uns erst im Winter
kommt Knecht Ruprecht bei Kälte
mit dem Schlitten dahinter
öffnet die Stille so manchem die Herzen
zieren die Fichte
der Schnee, die Kugeln und die Kerzen
weiß und rot und beige
kurz bevor das Jahr geht zur Neige
Weihnachten in Deutschland
Weihnachten in Deutschland
heißt warten auf Schnee
statt dessen Glatteis auf den Autostraßen
oh weh
Weihnachten in Deutschland
heißt buchen eine Reise noch schnell
in eine Gegend wo`s ist wärmer
und länger bleibt hell
Weihnachten in Deutschland
heißt Warten auf den zugefror`nen See
und Mitleid zu haben mit Gestrandeten
die einsamer leben denn je
Weil man sie abseits stellte
in klirrende Kälte
die einem schnürt bisweilen die Kehle
und in der könnt` erfrieren die Seele
Weihnachten in Deutschland
heißt gute Geschäfte zu stolzen Preisen
und Begegnungen in engen Familienkreisen
Weihnachtsmärkte in allen Regionen
und Denken an Menschen
die nicht (mehr) bei uns wohnen
Weihnachten in Deutschland
heißt (auch) reichen einander die Hand
und sich inspirieren zu lassen
vom Geist des Friedens und der Liebe
Wär` es zu fassen
wenn`s immer so bliebe?
Weihnachten
Das heißt
zu sich kommen
nicht
zu all dem anderen:
Nur
wenn Du bei Dir bist
kannst Du
Grenzen überschreiten
und einen Menschen
der auf Dich wartet
über sinnliche Wege
begleiten
und ihn besuchen
oder gar abholen
dort
wo er zu Hause ist
auch wenn er
vielleicht
mit anderen Maßstäben misst
Weihnachten – höchste Zeit
Höchste Zeit
das Fest umzubenennen
sodass sich jeder kann bekennen
denn man bedenke:
das Fest des Einzelhandels
und des Überflusses der Geschenke
Wenn wir bisweilen auch die Kindheit vermissen
den Grund des Festes muss niemand wissen
auch sollten wir nicht zur Besinnung kommen
das hat manchem schon die Stimmung genommen
Keiner sollte Weihnachten ins Grübeln geraten
statt dessen sich freu`n auf den Braten
auf Gans oder Ente
und die dynamische Rente
Auch der Jubilar muss nun blicken nach vorn
Und nicht noch zurück im Zorn
Er sollte die „sozialen“ Medien versteh`n
Statt irgendwo über`s Wasser zu geh`n
im Internet surfen
Und seine Fahne nach dem Wind endlich dreh`n
Auch sollte sich keiner beirren lassen
von verarmten Menschenmassen
eine Spaßgesellschaft feiert auch dann
wenn der Grund dafür ging verlor`n
den Tanz ums gold`ne Kalb gab`s schon
als Jesus noch gar nicht gebor`n
Gedichte über die Natur
Alles zu seiner Zeit
In einem wunderschönen Garten
mit Rosen
Rhododendron
und auch Flieder
da strahlte einst im März recht früh die Sonn`
und Vögel sangen ihre Lieder
Verführerisch war diese Wärme
warum noch warten
auf den Mai
der voller Wonn` und Sonne sei
doch weit lag in der Ferne
die jungen Rosen blühten jetzt so gerne
Und wie in einen Blütensog
es bald schon eine nach der ander`n zog
Töne, es sei vielleicht zu früh
verlor´n sich bald schon in dem Farbmenü
und in betörenden Düften
die sich vermischten in den Lüften
Schön waren sie
und wie zu dieser Zeit noch nie
erhellten sie mit ihrer farbenfrohen Blüte
den Menschen das Gemüte
die sich im Anblick jetzt schon sonnten
und den Reizen nicht entziehen konnten
Dann aber nach einigen Tagen
aus heiterem Himmel sozusagen
kam zurück der Frost mit strenger Kälte
der alles auf den Kopf nun stellte
den auch die Rosen bald ließen hängen
vom Himmel fiel der Schnee in Mengen
Nur eine winzig kleine Rose
die keine Strahlen abbekommen
weil sie die Großen weggenommen
zeigt sich nun schön wie keine sonst
und reckt ihr Haupt gen Himmel stolz
noch als der Schnee schon wieder schmolz
Atmos-Fähre
Von Hoopte nach Hamburg
und zurück
schippert eine Fähre
über die Elbe
von März bis November
immer dieselbe
Man spürt auf ihr
den Wind
der Nordsee weh`n
Vom kleinsten Restaurant der Welt
das vor dem Fährhaus aufgestellt
ist sie von weitem schon zu seh`n
Bei Wind und Sonne
ist da so mancher Spökenkieker
der sich entspannt
am Zollenspieker
Man sieht Motorräder die Parkplätze besetzen
deren Zahl kaum abzuschätzen
Und wenn die Tage reichlich lang
ist wie auf Bildern hier der Sonnenuntergang
Doch von keiner „Atmos-Fähre“
lässt sich die Elbe je beirren
Sie fließt ganz einfach weiter
hin zum Meer
Der Baum
Was hätte ein alter Baum
über Generationen
nicht alles zu berichten
von Mensch und Tier
von Wind und Wetter
lange Geschichten
Wer zählt(e) die Menschen
nennt die Namen
die schon unter Bäumen
Ruhe gefunden haben
Auch sah man früher
an langen Strängen
schon Menschen
von Bäumen herunter hängen
Der Baum wird gerammt und geschlagen
als allerlei Nutzholz
von seiner Stelle
zu Menschen getragen
Er wächst langsam
aber gewaltig
und wo er steht
ist die Luft sauerstoffhaltig
Lässt man ihn wachsen
ganz in Ruhe
und scheint es so
als ob er gar nichts tue
ist er schon bald dem Himmel näher
als der Mensch
Frühling
Du zeigst viel Farbe und Gefühle
setzt Dich ab von all der Schwüle
und von des Winters Kälte
die manchem Leben noch den Weg verstellte
Ist der Sommer schon im September vorbei
im Dezember der Herbst
und dann auch der Winter
so fließt Dein Lebenssaft nicht nur im Mai
Frühlingsgefühle wirken
von März zu März
und beflügeln des Menschen
Seele und Herz
bis er das Zeitliche segnet
auch wenn es manchmal zu lange regnet
Seh` ich die ander`n auch von besten Seiten
und mag so mancher d`rüber streiten
so bist Du
Frühling
mir doch der liebste
unter den Jahreszeiten
Herbstwind
Alles Zähmen bleibt vergebens
er ist der Inbegriff des Lebens
mit all den Tiefen und den Höhen
der leichten Brise und den Böen
Stets wirkt er frisch und männlich
und seine Kraft scheint unvergänglich
er kennt nur kurze und direkte Wege
und kommt uns gern mal ins Gehege
Die Blätter trennt er von den Bäumen
das Wasser lässt er überschäumen
und wenn so mancher Strauch verliert die Säfte
entwickelt er die stärksten Kräfte
Auch bei der Energiegewinnung
behält er seine eigene Gesinnung
und bläst nur, wann er will
doch manchmal bleibt er auch ganz still
und lässt uns glauben, dass er gar nichts tue
denn vor dem Sturm ist meistens Ruhe
Nur selten ist er für (etwas)
zumeist dagegen
und vieles lässt sich leicht mit ihm bewegen
doch oft ist auch nicht fern der Regen
Der Wind
er lässt sich niemals leiten
und ist ein wirklich himmlisch` Kind
besonders wenn der Herbst beginnt
Sommerzeit
Wenn Temperaturen steigen
Ähren im Feld sich verneigen
der Teer auf den Straßen wird weich
und Menschen sonnen sich am Deich
Wenn die Katze sich entzieht der Sonne
der sie sich aussetzt sonst so voller Wonne
Wenn der Fußball
den Spielbetrieb unterbricht
und es fällt aus
sechs Wochen lang der Unterricht
Wenn Bäume und Sträucher
warten auf Regen
Menschen
sich nur langsam bewegen
Schwimmstätten sind überlaufen
und Italiener mehr Eis als Pizza verkaufen
Wenn steigt der Umsatz der Getränke
und freu`n sich über Wärme die Gelenke
Wenn Frau trägt wieder Kleid
dann ist Sommerzeit
Unberührt
Wenn morgens
die Sonne aufgeht
war sie auch
vorher schon da
Geht sie
am Abend unter
so bleibt sie doch
und wärmt uns
immer noch
Es scheint
als küsse sie
das Wasser im Meere
Doch selbst wenn sie durchdringt
das nasse Element
mit ihren Stahlen
so bleibt es unberührt
als ob
von zauberhaften Mächten
sie geführt
Winter
In der Gewissheit
dass nichts ewig blühen kann
folgt er dem Herbst
und geht dem Frühling voran
Mit seinem grauen und weißen
Kontrastprogramm
macht er in uns die Sehnsüchte frei
nach den Blüten
und den Farben
im Mai
Die Kräfte des Frühlings
werden genährt
weil er den Pflanzen
Erholung gewährt
Wenn es nicht gäbe den Winter
käm` auch der Lenz nicht dahinter
und wer würde noch sprechen
vom Wunder der Natur
wenn wir hätten
Frühling nur?
Verschiedene Gedichte
Eine menschliche Frage
Hilft Gott
den Menschen
auf der Erde
ihr Leben
zu gestalten?
Hat er alles Leid
gesehen?
Greift er ein
ins Geschehen?
Oder braucht er
die Menschen
nur als Marionetten
um am Ende
Recht
zu behalten?
Gedichte
Zeile für Zeile
dicht bei dicht
Ob es sich reimt
oder auch nicht
sagen Worte
noch in den Räumen
dazwischen
und im Ganzen
unendlich mehr
im Gedicht
als die Zahl
ihrer Wörter
verspricht
Geteiltes Berlin im Westen
Es ist kalt an der Mauer
der Ostwind lauert
am Wachturm, vor dem Haus
er weht immer geradeaus
Am Brandenburger Tor
und in der Bornholmer Straße
wirkt die Teilung der Stadt
in besonderem Maße
Strahler leuchten an der Spree
am Funkturm, am KaDeWe
und erspähen eine winzige Lücke
in den Sperren auf der Glienicker Brücke
Den Bahnhof Zoo erreicht eine Bahn
die Menschen im Osten nur vorbeifahr´n sah´n
hier treffen sich auch Unentwegte oder Penner
deren Leben nicht so ganz auf einem Nenner
Anderswo pulsiert das Leben
Über 5000 Kneipen soll es hier geben
der Kurfürstendamm, die Avus, die Alleen
sehen viele Menschen fahr`n oder geh`n
Das Ambiente ist glänzend gelungen
Kreuzberger Nächte werden besungen
In Tegel landet ein Flieger
er flog über die Grenze hinweg
andere erreichen auf dem Transitweg die Stadt
die trotz Mauer große Anziehung hat
Relative Ewigkeit
Erblickt ein Mensch
erstmals
das Licht der Welt
so schlägt ihm keine Stunde
er hat noch
ohne Ende Zeit
und lebt
wie in der Ewigkeit
Wenn nun der Geist wird heller
und er kann essen schon
vom Teller
spricht aus das Ich
und meint damit
sich nur
so kennt er bald auch schon
die Uhr
Ist er erwachsen dann
bedeutet Zeit nicht selten Geld
in einer nicht mehr ganz so heilen Welt
in der von Jahr zu Jahr
die Uhr läuft schneller
und Lichter leuchten greller
Doch ist am Ende
abgelaufen die Uhr
meistens zu früh, selten zu spät
und wird gesegnet seine Zeit
so spricht man geistlich von der Ewigkeit
ansonsten auch von Relativität
Stuhlgang
Wenn Menschen früher länger zu Stuhle saßen
Und bisweilen den Zweck ihrer Sitzung vergaßen
So erklärten sie auf die Frage
Wo sie so lange gewesen
Nicht selten
Sie hätten noch etwas Zeitung gelesen
So machte der Stuhlgang auch geistige Kräfte frei
Und trug durchaus noch zur Bildung bei
Vereintes Berlin
Es ist warm in der Stadt
die CO2-Werte nehmen nicht ab
Staus behindern den Verkehr
zumeist von Westen her
bewegt der Wind die Bäume der Clayallee
und auch das Wasser im Müggelsee
Am Prenzlauer Berg
in Köpenick und Friedrichshain
laden schöne Plätze und Cafés
zum Verweilen ein
Der Bahnhof Zoo hat an Image verloren
alternative Treffs werden erkoren
Züge fahren weiter zur Mitte und nach Osten
wobei die Fahrten reichlich Geld nun kosten
Die Glieniker Brücke weist den Weg
nach Werder und Sanssouci
Potsdam lebt nun auf
wie vorher nie
Durchs Brandenburger Tor
sieht man Menschen
geh`n oder fahren
die von weither angereist waren
unter den Linden
sind mehr und mehr Touristen zu finden
Alte Hochburgen werden verdrängt
von Vergangenheit wird abgelenkt
der Hype auf manches Moderne
rückt alte Konflikte in weite Ferne
die Hauptstadt und ihr Flair
stehen im Rampenlicht umso mehr